BILD Vom 16. März 2004 bis zum 16. März 2005 war die Gemeinde St. Johannis Station des Wandernagelkreuzes. Der frühere Pfarrer von St. Johannis, Jürgen Reichel, war Sprecher des Nagelkreuzzentrums Würzburg.
Am 16. März 2001, 56 Jahre nach der Zerstörung der St. Michael's Cathedral von Coventry durch einen deutschen Luftangriff, wurde Würzburg Nagelkreuzzentrum und damit Teil eines weltweiten Netzwerkes für Frieden und Versöhnung. Das Nagelkreuzzentrum Würzburg wird getragen vom Katholischen und Evangelischen Dekanat sowie von der Stadt Würzburg. Kirchengemeinden, Einrichtungen, Behörden und Einzelpersonen können Mitglied werden.
In Würzburg existieren drei Nagelkreuze und spannen so ein ökumenisches Band:
im Dokumentationsraum 16. März 1945 im Grafeneckart des Rathauses
ein “Wandernagelkreuz” wechselt jährlich seinen Standort: als Würdigung, aber auch als Herausforderung, im Geist der Versöhnung zu arbeiten
das Nagelkreuz in der Marienkapelle am Marktplatz in der Würzburger Innenstadt lädt zum Gebet um Frieden und Versöhnung ein: eine Andacht nach der Liturgie von Coventry. jeden Freitag um 13 Uhr, für 15 Minuten
Weitere Aktivitäten des „Nagelkreuzzentrums“ in Würzburg:
der jährliche Versöhnungsweg am 16. März, bei dem nach dem Gedenken der Stadt Würzburg am Massengrab vor dem Friedhof die Versöhnungszeichen - das Wandernagelkreuz und die Versöhnungsstatue - für einen Jahr an ihren neuen Gastort gebracht werden
das Denkmal der Versöhnung auf dem Wilhelm-Schwinn-Platz vor der Kirche St. Stephan: 17 Bodenplatten mit dem Wort “Versöhnung"
inhaltliche Veranstaltungen, z.B. gesellschaftspolitische Vorträge und Diskussionen anlässlich des 16. März
die Beteiligung am Würzburger Friedenspreis, dem Aktionsbündnis „Würzburg ist bunt“ und anderen zivilgesellschaftlichen Zusammenschlüssen für Demokratie und Menschenrechte.
Hintergrund:
Am 14. November 1940 wurde die mittelenglische Stadt Coventry und ihre alte Kathedrale St. Michael's von deutschen Bombern zerstört. Der Ruf nach Vergeltung wäre verständlich gewesen. Doch ...
Der damalige Dompropst Richard Howard ließ bei den Aufräumarbeiten drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der zerstörten Kathedrale, die aus den Trümmern geborgen wurden, zu einem Kreuz zusammensetzen. Er ließ außerdem die Worte „FATHER FORGIVE“ (Vater vergib) in die Chorwand der Ruine meißeln und aus zwei verkohlten Holzbalken ein großes Kreuz zusammensetzen.
Der Gedanke einer Gemeinschaft von Nagelkreuzzentren wurde von Bill Williams, Dompropst in Coventry von 1958 bis 1981, entwickelt. Weltweit haben sich ökumenische Glaubensgemeinschaften als Nagelkreuzgemeinschaft gebildet.
Versöhnungsgebet von Coventry:
Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3,23) Darum beten wir:
Den Hass, der Nation von Nation trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:
Vater, vergib.
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist:
Vater, vergib.
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:
Vater, vergib.
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen:
Vater, vergib.
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge:
Vater, vergib.
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht:
Vater, vergib.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott:
Vater, vergib.
Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32)